ANECON@CONQUEST 2010

Auch in diesem Jahr war ANECON wieder als Aussteller auf der 13. International Conference on Quality Engineering in Software Technology vom 20. bis 22. September 2010  in Dresden vertreten und stellte mit Richard Seidl den Co-Conference Chair.


Als Gold Partner der Konferenz gestaltete ANECON die von Manfred Baumgartner geleitete Session „Classic or Agile – What Counts is Business Value“. Und wie bereits beim ANECON-Experten Frühstück im April dieses Jahres stieß die Thematik auf größtes Interesse bei den Teilnehmern. Im voll besetzten Zuhörersaal folgten sie den Ausführungen von Herrn Andreas Söhnel, Staatsbetrieb Sächsische Informatik Dienste, und Herrn Jan Overbeck, ANECON, über die Bedeutung des Software-Tests als Teil der eGovernment Umsetzungs-Strategie des Freistaates Sachsen. In diesem Umfeld wurde eine Vielzahl von Integrationsprojekten auf der eGovernment Plattform des Freistaates erfolgreich mit sogenannten klassischen Vorgehensweisen umgesetzt. Ein gutes Beispiel dafür, dass „Agil“ nicht für alle Situationen die passende Umsetzungsform darstellt und sich die Wahl des Vorgehens auch wesentlich an den organisatorischen und rechtlichen Rahmenbedingungen orientieren muss.

Im Anschluss daran konnte Herr Thomas Bucsics, ANECON die Zuhörer davon überzeugen, dass Testautomatisierung schon längst den Kinderschuhen entwachsen ist und es moderne Technologien erlauben, unterschiedliche Testmethoden und –techniken zur Effizienzsteigerung im Softwaretest effektiv mit Testautomatisierungswerkzeugen umzusetzen. Sowohl kommerzielle als auch open source Tools bieten dafür viele Möglichkeiten. In einer kurzen Live-Demo wurde dies auch vorgezeigt.

Den Abschluss dieser Session gestalteten Herr Gerald Grossmayer, bwin Interactiv Entertainment, und Manfred Baumgartner, ANECON mit ihrem Vortrag „Agile Testing in SCRUM“. Besonders dankbar nahm das Publikum die konkreten Erfahrungsberichte aus dem täglichen, agilen Projektgeschehen bei bwin an. Das Unternehme bwin ist ein sehr gutes Beispiel dafür, wie in modernen, agilen Projekten professionell und nachhaltig gearbeitet werden kann. Als langfristig kritische Erfolgsfaktoren werden dabei gesehen: Ausbildung der Mitarbeiter, Automatisierung der funktionalen Feature-Tests sowie die Dokumentation der Requirements und Defects.

In der anschließenden Diskussion zeigte sich die große Bandbreite in der Interpretation des agilen Ansatzes: von ordnungslosen Sandkastenspielen bis zum bedingungslosen Festhalten an längst überholten Prinzipien. Ein erfolgreicher Mittelweg wurde von den Vortragenden aufgezeigt.

Neben dem Test in agilen Projekten und den Aspekten der Testautomatisierung, denen auch eine Keynote von Dorothy Graham gewidmet war, wurden auf der CONQUEST ’10 noch weitere Schwerpunktthemen diskutiert:

Ähnlich dem Software Test läuft das Requirements Engineering Gefahr,  in agilen Projekten zu wenig Beachtung zu finden. Nicht nur als „Projektphase“ sondern insbesondere was die Anforderungen an einen guten Requirements Engineer betrifft. So wie der Entwickler nicht unbedingt ein guter Tester ist, ist er meist auch nicht ein guter Requirements Engineer, beherrscht weder Frage- noch Darstellungstechniken und ist oft nicht der geeignete Kommunikator mit allen im Projekt beteiligten Stakeholdern. Chris Rupp erhielt für ihren Beitrag „Systemanalyse auf den Punkt gebracht“ den Best Presentation Award der Konferenz.

Als neues Buzzword taucht zuletzt „Testing in the Cloud“ auf verschieden Konferenzen und in vielen Publikationen auf. Ken Johnson, Microsoft Corporation ging darauf in seiner Keynote zur Eröffnung der Konferenz ein. Zum einen warnte er davor, nicht vorschnell einem Hype zu verfallen, von dem kaum jemand weiß, worum es sich tatsächlich handelt. Zum anderen stellt die Cloud auch den Software-Tester von neue Herausforderungen und Möglichkeiten:

  • Applikationen, die als Software as a Service (SaaS) in eine Applikationslandschaft eingebunden werden und deren Integration geprüft werden muss.
  • Applikationen, die nicht auf vorweg definierten Hardware-Plattformen irgendwo auf der Welt ablaufen, und deren Verfügbarkeit und Performance-Verhalten gewährleistet werden soll.
  • Testumgebungen in der Cloud, die gerade für den Software-Test eine temporäre Nutzung von Systemressourcen und Testwerkzeugen nach dem Pay per Use–Prinzip erlaubt.

Hinter all diesen Aspekten steht viel Potential zur sinnvollen und wirtschaftliche Nutzung, aber auch noch viel Unbekanntes. Man könnte auch sagen: Wieder ein Schritt vorwärts, aber es wird nicht unbedingt einfacher.


Abgerundet wurde die Konferenz mit dem Themenfeld Model Based Testing. Dieser Ansatz zielt auf die automatisierte Ableitung und letztlich auch Durchführung von Testfällen aus den Analysemodellen oder auch eigens erarbeiteter Testmodelle ab. Was auf der einen Seite verlockend klingt, wirft auf der anderen Seite auch viele Fragen auf und stellt hohe Anforderungen an die Qualität und Ausprägung der Modelle – und an die Qualitätssicherung der Modelle. Auf der Konferenz gab es zu diesem Thema bereits sehr viel versprechende Praxisberichte. Vielleicht testet der Tester der Zukunft nicht mehr Applikationen sondern deren Modelle.

Im kommenden Jahr „entfällt“ die CONQUEST zugunsten der 5WCSQ (5th World Congress for Software Quality) in Shanghai, China (31.10. - 4.11.2011).

Wir können schon heute gespannt sein, wie sich die aktuellen Ansätze bis dahin weiterentwickeln und welche neuen Innovationen im Software Test stattfinden werden.